Nach Gesprächen mit jungen Gewerkschaftern schon vor der Sommerpause konnten wir sehen, dass unser eher durch Schülerinnen und Schüler, sowie Studentinnen und Studenten geprägter Verband im Themenbereich der beruflichen Bildung Nachholbedarf hat. Ausbildungspolitik ist Jugendpolitik und Zukunftspolitik zugleich. Die Gewährleistung ausreichender und guter Ausbildung ist nicht nur unmittelbar wichtig für Zehntausende junger Menschen in unserer Stadt. Die Auszubildenden von heute sind darüber hinaus morgen die Fachkräfte Hamburger Unternehmen, die Eltern Hamburger Kinder und die Bürgerinnen und Bürger, die in Zukunft mit uns diese Stadt Tag für Tag lebenswerter machen werden. Kurzum, Ausbildungspolitik ist ein Juso-Thema. Bestärkt wurden wir in unserem Entschluss durch die SPD Landesorganisation, die das Thema am vergangenen Wochenende auf ihrem Parteitag behandelt hat.
Was ist also geschehen? Die Jusos haben sich über Monate hinweg mit dem problematischen Entwurf einer Modularisierung des Ausbildungswesens und dessen Konsequenzen beschäftigt. Gleichzeitig fanden Gespräche mit der IG Metall-Jugend und der DGB-Jugend statt. Ziel von alledem war es, eine Juso-Positionierung für den kommenden Parteitag zu erarbeiten. In Ergänzung zu den vom SPD Landesvorstand vorgeschlagenen Anträgen ist ein Positionspapier entstanden, das nicht nur vor zwei Wochen dann auch auf der Juso-Landesdelegiertenkonferenz verabschiedet, sondern auch von vielen Seiten, sowohl innerhalb der Jusos, als auch der SPD Bürgerschaftsfraktion für seine klaren Forderungen gelobt wurde. Gemäß dem Auftrag des Papiers wurden in der letzten Woche Änderungsanträge von Dirk Schilling und mir formuliert, die wir auf dem Parteitag zu den Leitanträgen der Landesorganisation eingebracht wurden.Doch es galt auch diejenigen, die nicht in die Antragsberatung involviert waren, für das Thema zu sensibilisieren. So hatten wir vor vier Wochen die Gelegenheit, organisiert von den Jusos Hamburg Mitte das Werk und die Auszubildendenwerkstatt von Blohm und Voss zu besuchen. Für alle von uns war es ein einmaliges Erlebnis, sahen wir das Werk bislang nur von der anderen Seite der Elbe aus. Bedrückend war insbesondere die Ruhe und Leere, die vielerorts auf dem Gelände angesichts der Auftragslage herrschte. Umso erfreulicher war es für uns, dass der Betrieb in der Ausbildungswerkstatt umso lebhafter war. Blohm und Voss ist eines der vorbildlichen Hamburger Unternehmen, die nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch darüber hinaus Jugendliche erstklassig ausbilden, die im Anschluss auf dem Hamburger Arbeitsmarkt sehr begehrt sind. Auch die Anschließende Diskussion mit den Betriebsräten der drei Unternehmen (Shipyard, Repair, Industries) war sehr erkenntnisreich und hat uns Jusos, aber auch die Betriebsräte politisch bereichert. Alle Anwesenden stimmten darin überein, dass wir Jusos die Möglichkeit einer Betriebsbesichtigung hier in Hamburg weitaus häufiger nutzen sollten.
Höhepunkt unserer Arbeit im vergangenen Monat sollte schließlich unsere Podiumsdiskussion „Hamburg – Tor zur Berufswelt?“ werden. Unser breit besetztes Podium bestand aus Jörg Ungerer von der Handwerkskammer und Fin Mohaupt von der Handelskammer auf der Arbeitgeberseite, Gregor Best von der DGB Jugend auf der Arbeitnehmerseite, Wolfgang Egelkraut, dem Schulleiter der G2 als Vertreter der Berufsschulen und von Elke Badde als arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion. In 2 Stunden, die bei weitem nicht für eine angemessene Behandlung aller relevanten Themen ausreichten, gelang es, den anwesenden Jusos ein klares Bild von der gegenwärtigen Situation am Ausbildungsmarkt in Hamburg zu vermitteln. Die Veranstaltung war primär für uns Jusos gedacht und sollte vor allem denjenigen, die sich mit dem Thema noch nie beschäftigt haben, einen groben Blick auf die Thematik ermöglichen.
von Carl Philipp Schöpe | Mitglied im Juso-Landesvorstand







